Rezension "Gefährliche Freiheit" PDF Drucken E-Mail
Donnerstag, 16. Februar 2012

Peter Asprion: Gefährliche Freiheit? Das Ende der Sicherungsverwahrung. Freiburg: Herder Verlag, 2012, 200 Seiten, 16,99 €uro, ISBN 978-3-451-30533-7.

Gefährliche Freiheit? Kein Thema in der Kriminalpolitik bewegt so viele Emotionen wie die Sicherungsverwahrung. Seit etwa 15 Jahren haben wir eine zunehmende Verschärfung der Sicherungsverwahrung bis in das Jugendstrafrecht hinein. Startschuss war, wenn man so will, das am 31. Januar 1998 in Kraft getretene „Gesetz zur Bekämpfung von Sexualdelikten und anderen gefährlichen Straftaten“. Wenngleich festzustellen gilt, dass die Zahl schwerster Sexualdelikte seit langem kontinuierlich rückläufig ist, hat dies zu keinem rationalen Umgang mit der Sicherungsverwahrung geführt. Selbst die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts aus dem Jahr 2011, die die Sicherungsverwahrung für rechtswidrig erklärt hat und das Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (2009), das zur Feststellung kam, dass hier auch Verstöße gegen das Internationale Recht vorliegen, haben daran (noch) nichts geändert.

Der Diplom-Pädagoge und Diplom-Sozialarbeiter Peter Asprion ist in Freiburg als Bewährungshelfer für die Menschen, die aus der Sicherungsverwahrung zu entlas-sen waren, zuständig. Einfühlsame schildert er in seinem Buch, wie die Menschen so geworden sind, wie sie sind und wie mit ihnen heute in der „Freiheit“ umgegangen wird. Die Resozialisierung - und das wissen wir schon mehr als hundert Jahren - beginnt mit der Entlassung aus dem Strafvollzug. Sie entscheidet sich an der Bereitschaft der Gesellschaft, ihre straffällig gewordenen Menschen wieder aufzunehmen, ihnen eine angemessene Wohnung und Arbeit zu geben. Den Sicherheitsverwahrten, mit denen Asprion arbeitet, bleibt dies verwehrt.

Wer sich rational, gestützt auf wissenschaftlichen Erkenntnissen, mit der Sicherungsverwahrung auseinandersetzen will, sollte dieses Buch lesen. Er kann nur zu dem Ergebnis kommen, dass man sie abschaffen sollte.

Prof. Werner Nickolai, Katholische Hochschule Freiburg

Letzte Aktualisierung ( Freitag, 15. Juni 2012 )
 
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